Was ist Seife?
Seife besteht aus den Alkalisalzen von Fettsäuren, die durch die so genannte Verseifung von Fetten mit Kali- (vor allem in Flüssig-/ Schmierseifen) oder Natronlauge entstehen. Diese chemische Reaktion ist mit einer erheblichen Wärmeproduktion verbunden und läuft – einmal in Gang gekommen – ohne weitere Wärmezufuhr ab. Außerdem entsteht als „Nebenprodukt“ der Verseifung Glyzerin (richtiger Glycerol, da es ein dreiwertiger Alkohol ist), das in den handgemachten Pflanzenölseifen im Gegensatz zu industriell hergestellten Seifen auch dort verbleibt. Es gilt als guter Feuchtigkeitsbinder und wird zu diesem Zweck in der Kosmetikindustrie eingesetzt. Es steckt als Grundgerüst in den Ölen und Fetten.
Fette und Öle bestehen aus Triestern des Glycerins mit verschiedenen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren, wobei Öle einen hohen Anteil an (auch mehrfach) ungesättigten und Fette einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren enthalten. Bei der oben erwähnten Reaktion (der alkalischen Hydrolyse der Fette/Öle) entstehen Fettsäuresalze, die als Seife bezeichnet werden.
Jedes Fett bzw. Öl benötigt eine bestimmte Menge Natronlauge (in Wasser gelöstes NaOH), um vollständig zu verseifen. Diese Mindestmenge darf in keinem Fall unterschritten sein, weil sonst noch freie Lauge in der Seife zurückbliebe, die ja bekanntlich ätzend wirkt. Wird weniger Lauge oder aber mehr Fett eingesetzt, bleibt freies, unverseiftes Fett in der Seife, das neben dem natürlichen Glyceringehalt den Rückfettungsprozess der Haut unter-stützt. Dabei sprechen wir von „Überfettung“.
Eben diese Möglichkeit finde ich bei der Seifenherstellung so wunderbar. Meine seit frühester Kindheit äußerst trockene Haut, die viele Jahre von Neurodermitis geplagt war, liebt das cremige Gefühl nach einem Duschgang oder Vollbad mit meiner (früher auch Fremd-) Seife. Da verzichte ich lieber auf Schaumberge. Es gilt nämlich in den meisten Fällen: viel Fett= weniger Schaum.
Wir können den gewünschten Überfettungsgrad sehr genau festlegen, wenn uns die Versei-fungszahlen der einzelnen Öle und Fette bekannt sind, jedoch nicht 100%ig die genauen Überfettungsöle. Bis zu einem gewissen Grad aber doch indem die meist sehr wertvollen Überfettungsöle erst dann der Seifenmasse zugesetzt werden, wenn sich eben schon die meisten Laugenteilchen mit den Fettsäuren verbunden haben, nämlich nach oder am Ende der Gelphase (in der der Seifenleim sich erhitzt).
Von kaltgerührten Pflanzenölseifen sprechen wir in erster Linie dann, wenn ausschließlich naturbelassene pflanzliche Öle, Fette und Wachse in Lebensmittelqualität „kalt“ verseift werden, d.h. nur soweit erwärmt werden, dass eine homogene flüssige Fettmasse entsteht. Die Begriffe „Seifesieden“ bzw. „Seifekochen“ sind deshalb nicht ganz korrekt.
Diese Seifen benötigen nach diesem grundlegenden Verseifen aber noch unbedingt eine so genannte Reifezeit von 4-8 Wochen, in der sich der Verseifungsprozess vervollständigt. Dann erst können sie ihre pflegenden Eigenschaften entfalten. Vorher würden sie zwar unsere Haut reinigen, sie aber auch meist schwer austrocknen- nicht im Sinne des Erfinders.
Außerdem werden sie durch lange Trockenzeiten härter und entwickeln mit zunehmendem Alter dann doch immer bessere Schaumeigenschaften, auch die hochüberfetteten Edel- stückchen. Olivenölseifen, besonders die mit Tonerdezusätzen, sollten meiner Erfahrung nach mindestens 4 ½ Monate reifen, um den bekannten milden und pflegenden Schaum abzu-geben, Liebhaber sprechen sogar von einem halben Jahr und mehr. Einige wenige meiner Seifen lasse ich in Ausnahmefällen auch „künstlich“ reifen, indem ich sie ins warme Ofenrohr stelle, um den Verseifungsprozess bei der Arbeit mit sehr kalten Ausgangsstoffen zu starten. Dieser läuft dadurch schneller und intensiver ab. Ihre nötige Reife- und Ruhezeit von mindestens 4 Wochen kriegen sie aber trotzdem.
Eine traditionelle Naturseife enthält keine Konservierungsmittel und ist – je nach Überfettungsgrad und Haltbarkeit der enthaltenen Öle – ein bis drei Jahre haltbar.